Die RAA-Challenge bringt nicht nur viele Emotionen und Erlebnisse mit sich, sondern auch eine Menge an Daten die dokumentiert wurden, um später daraus schlau zu werden. Damit es im Falle des Falles beim nächsten Mal besser klappt hatten wir uns im Vorfeld des Rennens mit vielen Themen beschäftigt, wie zB. welches Gewand wird benötigt, Zielzeit, Pausen und Ernährung.
RAA-Challenge Leistungsdaten
Logischer Weise kann die Leistung über die Dauer eines so langen Rennens nicht konstant bleiben. Es liegt auf der Hand, dass man – mit Euphorie vollgestopft – anfangs mehr Druck aufs Pedal bringt als nach 10h am Rad. Wir wollten natürlich mit einem gewissen Schnitt ins Ziel kommen – das wären 25km/h gewesen. Gefühlsmäßig wurde ich nachträglich sagen, haben wir für unsere Verhältnisse sehr schnell gestartet. Immer mehr flachte das Tempo ab und die Höhenmeter je Intervall nahmen zu! Als Beispiel zwei Fahrten von Andy im Vergleich:
- 1. Fahrt: 209W Ø und die letzte Fahrt: 188W Ø. In der Nacht hatte ich einen Einbruch mit einer Ø Leistung von 161W.
- Tini hingegen konnte ihre Leistung bis spät in die Nacht ziemlich konstant halten, bis dann zeitlich in der Früh die Ø Leistung um bis zu 30W abfiel. Hier noch eine Übersicht zur Ø Gesamtleistung von uns beiden.
Andys Daten:
- 14 Fahrten
309,74km
4152hm
11h 21min 59sec
27,36 km/h Ø
184 Watt Ø
159 Herzfrequenz Ø
88 Tritfrequenz Ø
Tinis Daten:
- 13 Fahrten
245,5km total
2016hm total
8h 36´30´ Zeit
28,61 km/h Ø
116 Watt Ø
163 Herzfrequenz Ø
86 Trittfrequenz Ø
Dokumentation während dem Rennen
Als wir den Vortrag von Markus Hager gehört hatten, waren wir ganz baff wie er sein Rennen vorbereitet und was während des Rennens dokumentiert wird. Im Anschluss des Vortrages holten wir uns dann noch die letzten Tipps sowie die Excel-Listen, die Markus uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Es waren Listen die zur Dokumentation von Pausen- bzw. Stillstandzeiten, Kalorien- sowie Flüssigkeitszufuhr dienen. Wir fanden es gut um nachvollziehen zu können wo denn überhaupt die Zeit liegen geblieben ist oder wieso man plötzlich Bauchschmerzen bekam.
Es hat ein wenig gedauert, doch nun haben wir knapp 1,5 Wochen nach dem Rennen unsere Unterlagen sowie Strava-Daten analysiert und ausgewertet. Manche Auswertungen haben mich beeindruckt und mit manchen habe ich bereits im Vorfeld gerechnet. Es war schon spannend die Daten auszuwerten, denn bei manchen gibt es Handlungsbedarf und natürlich Luft nach oben bei erneuten Antritt.
Routebook sowie Durchfahrtszeiten
Einer der wichtigesten Faktoren für uns waren die Durchfahrtszeiten bei größeren Ortschaften. Da wir das Ziel hatten in 24 Stunden zu finishen, hat Markus (Navigator & Rennleiter), das Routebook quasi in alle Einzelteile zerlegt. Er hat sich im Vorfeld ausgerechnet, wann wir wo sein müssen, um das Ziel in der gewünschten Zeit zu erreichen. Somit hatten wir die Zeiten immer im Überblick und konnten sehen, ob wir der Zeit voraus waren oder hinten nach. Zum Glück waren wir schneller als erwartet und konnten unseren Vorsprung recht rasch auf 1,5 Stunden ausbauen. Dies war auch für das Selbstbewusstein wichtig, denn wir hatten ja überhaupt kein Gefühl, wie schnell wir fahren mussten, um es ins Ziel zu schaffen. Im weiteren Rennverlauf hatten wir dann den Vorsprung, zur Karenzzeit, bis auf 5 Stunden ausbauen können und somit war während dem Rennen schon klar, wann wir ungefähr ins Ziel kommen werden.
Pausen- bzw. Stillstände
Das ist ein Thema, dass uns im Vorfeld bereits sehr beschäftigt hat. Vor allem die Fahrerwechsel benötigen etwas an Zeit. Am Tag sind fliegende Wechsel möglich, was bedeutet, dass das Auto nach vorne rauschen kann um den Wechsel vorbereiten zu können. So kann der Wechsel schnell von statten gehen und keine Zeit bleibt liegen. Während dem Rennen bzw. beim ersten Wechsel hat es ein wenig geschmerzt, dass wir als Team die Wechsel nicht geübt hatten, denn die ersten Wechsel waren doch recht holprig. Manchmal sind wir mit dem PaceCar auch nicht weit genug nach vorne gefahren, um den Wechsel zu beschleunigen. Es ist uns des öfteren passiert, dass der Wechsel-Fahrer noch gar nicht aus dem PaceCar ausgestiegen war, als der anderer Fahrer schon eingetroffen ist. Somit war wertvolle Zeit verloren gegangen, die uns am Ende für eine bessere Zeit fehlte.
Nachtwechsel
In der Nacht sieht das Ganze etwas anders aus. Hier muss der Fahrer immer im Lichtkegel bleiben und somit ist ein Stillstand vorprogrammiert. Am besten passiert der Wechsel zu dem Zeitpunkt, wo der Fahrer im Auto bereits angezogen und ready ist. Auch das ist uns ein paar Mal etwas misslungen. Wobei wir ehrlich gestehen müssen, nachdem wir bereits letzter waren, hatten wir nicht mehr den großen Stress die Pausen schnell abzuwickeln. Es ist dunkel, kalt und jeder ist schon etwas geschlaucht. Da wollten wir uns gegenseitig nicht stressen, sondern Ruhe bewahren.
Die ersten Wechsel in der Nacht verliefen noch (für unsere Verhältnisse) recht zügig, bis es dann eben soweit war, dass wir keinen Stress mehr hatten. Wir hatten zwar vor in der Nacht nicht zu oft aufs Klo zu gehen, um keine Zeit zu verlieren, aber im Endeffekt war dann quasi jede Stunde Wechsel und quasi Klopause. Jo mei! Wieviel Zeit dann wirklich liegen geblieben ist, hat uns dann doch etwas erstaunt. Weiters ist es uns schwer gefallen vom Nachtmodus in den Tagmodus, sprich fliegender Wechsel, überzugehen. Tina’s Papa wollte nachdem wieder der Morgen eingetroffen war, irgendwie immer hinter dem Fahrer bleiben.
Am Hengstpass, wo es eigentlich Sinn gemacht hätte, mit dem Pace Car bereits oben zu warten, blieb er immer hinter mir. Das hatte es uns dann eingebrockt, dass wir oben gemeinsam ankamen & Tini noch nicht mal annährend fertig umgezogen war. Hier blieben sicher unnötigen 10 Minuten liegen, die einfach schneller hätten abgewickelt werden können. Ich denke, es hatte doch gedauert bis man wieder aus diesem Nachtmodus raus war.
Reale Pausenzeit laut Aufzeichnungen
Laut Dokumentation/Garmin Aufzeichnungen im Vergleich, waren es 55 Minuten die wir als Stillstand verzeichnet haben. Wie man sieht doch deutlich Luft nach oben. Jetzt im Nachhinein wäre (mit besseren Pausenmanagment) wäre sicherlich noch mehr drin gewesen. Reine Fahrzeit hatten wir 19h 58min. Diese Auswertung ist bestimmt einer der wichtigsten Faktoren für uns, denn nun wissen wir wo Zeit aufgeholt werden kann. Doch für den ersten Versuch sind wir trotz langer Pausenzeiten glücklich, denn so war es weniger stressig für alle und wir konnten vielleicht doch die eine odere andere Minute genießen, uns umarmen oder pinkeln 😉
Wechselgewand
Im Laufe der RAA-Challenge haben wir natürlich unser Radgewand mehrmals tauschen müssen. Der Hauptgrund dafür war, weil wir oft total verschwitzt waren und es daher nicht angenehm war im PaceCar komplett nass dazusitzen, da es in der Nacht doch auch sehr feucht war. Andererseits benötigten wir auch irgendwann wärmes Gewand, da die Nacht doch recht frisch sein konnte. In Zahlen ausgedrückt sieht das Ganze dann so aus:
Tini: 3 Kurze Bib-Shorts, 1 kurze Thermohose, 2 Kurzarm-Jerseys, 2 Langarm-Jerseys, 3 Baselayer, 1 wetterfeste Windweste, 1 normale Windweste, Beinlinge, Stirnband, Buff, Überziehschuhe + Wärmepads für die Zehen
Andy: 2 Kurze Bib-Shorts, 1 kurze Thermohose, 2 Kurzarm-Jerseys, 2 Langarm-Jerseys, 2 Baselayer, 1 Windweste, Beinlinge, Buff
Wie man sieht, haben wir doch eine recht ähnliche Bekleidung benötigt. Tini hatte des öfteren ein paar mehr Kleidungsschichten an als ich, sie schwitzte sehr viel, weil sie anfangs dezent über ihrem Limit radelte haha. Die Merino Base Layer sind ein echter Geheimtipp – sie trocknen sehr schnell & stinken nicht, wenn man sie erneut anzieht!
Ernährung
Was dieses Thema anbelangt sind wir sehr schleißig, aber das wussten wir schon im Vorhinein. Ich (Andy) habe versucht möglichst regelmäßig zu essen und zu trinken. Vorallem am Rad wollte ich immer wieder trinken. Bei Tini sah das ein wenig anders aus. Sie bekam nach der Zeit Magenkrämpfe und richtige Schwächeanfälle mit Schüttelfrost. Dies war zu einem bestimmt das wenige trinken und essen aber auch das nasse Gewand was sie in der Nacht frieren ließ. Tini war sehr verkopft in das Rennen und hatte vergessen auf ihren Körper zu hören. Vorallem auf die Flüssigkeitszufuhr hatte wie so oft vergessen.
Tini: 1 Salzstangerl, 2 Semmel, 1 Packung TucTucs, 1 Packung NicNacs, 2 Pickup, 1 Handvoll Cashews, 6 Tassen Tee, 2 Trinkflaschen (750ml Elektrolyt), 1,5l Wasser, 2 Coca Cola Dosen
Andy: 2 Packungen Powerbar Gelshots, 1 Proteinriegel, 2 Semmeln, 1 Salzstangerl, 2 Packungen Manner Schnitten, 2 Powerbar Hydrogels, 2 Tassen Tee, 6 Trinkflaschen (750ml Elektrolyt), 2 Liter Wasser, 3 Coca Cola Dosen
Letzten Endes können wir sagen, wir hätten mehr Essen / Trinken sollen. Es ist ein bisschen ärgerlich, dass wir keine selbstgemachten Riegel oder so dabei hatten – das hatten wir total ausgeblendet. Auch ein bisschen mehr Stimmung im PaceCar mit Musik oder so hätte sicherlich gut getan, da es für alle das erste Mal war, waren wir einfach voll konzentriert. Ansonsten sind wir wirklich super glücklich mit unserer Gesamtleistung – vor allem mit einer Zeit unter 21h ins Ziel zu kommen bedeutet uns extrem viel. Wer es wirklich auf den Sieg bei der RAA-Challenge anlegt ist mit unserer Tippliste wohl auf dem falschen Dampfer 😉 Euer Andy